Ein Griffon kann im Revier ein ausdauernder, vielseitiger Partner sein, aber nicht jeder Hund mit rauem Fell passt automatisch zu jeder Jagdart. Entscheidend sind Rasse, Arbeitsanlagen, Führigkeit und eine Ausbildung, die früh beginnt. Ich zeige, welche Griffon-Typen als Jagdhunde interessant sind, wofür sie sich eignen und worauf man bei Auswahl, Haltung und Prüfung in Deutschland achten sollte.
Die wichtigsten Punkte für die Auswahl eines Griffons
- Korthals Griffon ist ein vielseitiger rauhaariger Vorstehhund mit Anlagen für Feld, Wasser und Nachsuche.
- Griffons Vendéens arbeiten überwiegend als spurlaute Lauf- und Stöberhunde, oft in der Meute.
- Ein ausgeprägter Jagdtrieb macht konsequente Führung und kontrollierten Freilauf notwendig.
- Für deutsche Reviere zählt nicht nur das Aussehen, sondern die jagdliche Brauchbarkeit und das passende Einsatzgebiet.
- Raues Fell schützt im Dornengestrüpp, verlangt aber regelmäßiges Trimmen und Kontrolle nach jedem Einsatz.

Was hinter dem Begriff Griffon als Jagdhund steckt
„Griffon“ bezeichnet keine einzelne Arbeitsweise, sondern eine Gruppe verschiedener rauhaariger oder drahthaariger Hunderassen. Für die Jagd sind vor allem der Korthals Griffon sowie mehrere französische Griffons Vendéens und Laufhunde interessant. Ihr gemeinsames äußeres Merkmal darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich bei Suche, Laut, Wildschärfe und Führigkeit deutlich unterscheiden.
Ich würde deshalb nie nach dem zotteligen Erscheinungsbild entscheiden. Im Revier zählt, wie weit der Hund sucht, wie er Wild anzeigt und wie zuverlässig er nach dem Schuss arbeitet. Ein kompakter Basset Griffon kann beim Stöbern im dichten Bewuchs sehr überzeugend sein, während der Korthals Griffon eher die Aufgaben eines vielseitigen Vorstehhundes abdeckt.
Auch die Einordnung in Deutschland ist wichtig. Der Korthals Griffon wird beim Jagdgebrauchshund als französischer rauhaariger Vorstehhund geführt. Einige Griffons Vendéens gehören dagegen zu den französischen Laufhunden und werden jagdlich vor allem für das spurbezogene Arbeiten eingesetzt.
Der Korthals Griffon ist der vielseitige Allrounder
Der Korthals Griffon, auch Griffon d’arrêt à poil dur genannt, wurde als rauhaariger Vorstehhund gezüchtet. Er sucht systematisch im Feld, zeigt Federwild an, apportiert und kann bei entsprechender Ausbildung auch für Wasserarbeit sowie Schweißarbeit eingesetzt werden. Seine Stärke liegt in der Kombination aus Nase, Ausdauer und enger Bindung an den Führer.
Typische jagdliche Aufgaben
- Feldsuche und Vorstehen auf Niederwild wie Fasan, Rebhuhn oder Hase
- Apportieren von Feder- und Haarwild, auch aus flachem Wasser
- Stöbern in Deckung und kleineren Gehölzen
- Schweißarbeit, also das Verfolgen der Wundfährte nach einem Treffer
- Arbeiten nach dem Schuss, sofern der Hund gezielt darauf vorbereitet wurde
Sein raues Haarkleid ist im Brombeer- und Schlehengestrüpp ein echter Vorteil. Es schützt die Haut besser als kurzes Fell und hält Nässe teilweise ab. Trotzdem ist der Griffon kein unverwundbarer Buschhund. Pfoten, Ohren und Augenpartie müssen nach jedem Einsatz kontrolliert werden, besonders bei dichtem Altholz und Dornen.
Bei der Ausbildung braucht diese Rasse klare Regeln, aber keinen unnötigen Druck. Der Hund ist meist aufmerksam und lernt schnell, kann bei inkonsequenter Führung jedoch eigene Entscheidungen treffen. Meine Erfahrung mit solchen Arbeitstypen ist, dass kurze, regelmäßige Einheiten mehr bringen als seltene lange Trainingstage.
Griffons Vendéens arbeiten anders als ein Vorstehhund
Die Griffons Vendéens stammen aus der französischen Region Vendée und gehören überwiegend zu den Laufhunden. Dazu zählen unter anderem der Grand Griffon Vendéen, der Briquet Griffon Vendéen sowie der Grand Basset und Petit Basset Griffon Vendéen. Sie wurden dafür gezüchtet, Wild über die Spur zu verfolgen und in Bewegung zu bringen.
| Rasse | Typische Größe | Jagdlicher Schwerpunkt | Besondere Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| Grand Griffon Vendéen | etwa 60 bis 70 cm | Lauf- und Stöberarbeit auf größeres Wild | Schnell, ausdauernd und selbstständig |
| Briquet Griffon Vendéen | etwa 48 bis 55 cm | Spurarbeit und Jagd auf kleineres bis mittleres Wild | Wendig, robust und passioniert |
| Grand Basset Griffon Vendéen | etwa 39 bis 44 cm | Stöbern und spurlautes Jagen | Ausdauernd im dichten Gelände |
| Petit Basset Griffon Vendéen | etwa 34 bis 38 cm | Hasen- und Niederwildjagd | Klein, lebhaft und sehr spurbezogen |
Diese Hunde sind keine verkappten Vorsteher. Sie arbeiten häufig mit deutlich mehr Eigenständigkeit und können sich auf einer interessanten Spur weit vom Führer entfernen. Genau das macht sie bei geeigneten Aufgaben stark, erschwert aber Freilauf, Rückruf und Kontrolle im wildreichen Revier.
Der Grand Basset Griffon Vendéen ist in Deutschland oft eher als Familienhund bekannt, besitzt aber weiterhin eine ausgeprägte jagdliche Passion. Der VDH beschreibt ihn als ausdauernden, mutigen und geländegängigen Hund, der im Ursprungsland häufig im Meutenverband eingesetzt wird. Wer ihn als Jagdbegleiter führen möchte, sollte seine Arbeitsweise kennen und nicht allein nach Größe oder freundlichem Wesen urteilen.
Welche Rasse zu welchem Revier passt
Die richtige Wahl hängt stärker vom Revier als vom persönlichen Geschmack ab. Im offenen Feld mit Niederwild sind die kontrollierte Suche und das Vorstehen des Korthals Griffons wertvoll. In dichtem Busch, auf langen Hasenspuren oder bei einer spurlauten Stöberjagd können dagegen die niedrigläufigen oder hochläufigen Vendéens besser zu den Anforderungen passen.
| Reviersituation | Passender Griffon-Typ | Worauf der Führer achten sollte |
|---|---|---|
| Feldrevier mit Federwild | Korthals Griffon | Suche, Vorstehen, steadiness und Apportierarbeit |
| Wasserreiche Niederwildjagd | Korthals Griffon | Wasserfreude, Schussruhe und zuverlässiges Zurückkommen |
| Dichte Dickungen und strukturreiche Flächen | Basset Griffon oder Briquet Griffon Vendéen | Spurlaut, Orientierung und sichere Kontrolle |
| Große Reviere und lange Spurarbeit | Grand Griffon Vendéen | Ausdauer, Eigenständigkeit und ausreichende Jagdgelegenheit |
Für die klassische Drückjagd auf Schwarzwild würde ich nicht automatisch einen Griffon empfehlen. Ein Hund mit hoher Passion und starkem Spurwillen kann dort leistungsfähig sein, braucht aber passende Wildschärfe, sichere Orientierung und einen belastbaren Führer. Entscheidend sind die konkrete Linie und die Ausbildung, nicht nur der Rassename.
Ein häufiger Fehler besteht darin, den Hund nach der gewünschten Wildart auszuwählen und das eigene Revier zu vergessen. Ein passionierter Laufhund, der im kleinen, stark befahrenen Revier regelmäßig weit jagt, bringt mehr Risiken als Nutzen. Reviergröße, Straßen, Wildbestand und Jagdorganisation sollten vor dem Welpenkauf ehrlich geprüft werden.
Ausbildung und Alltag verlangen klare Entscheidungen
Die Ausbildung beginnt nicht erst mit der ersten Jagdprüfung. In den ersten Monaten stehen Bindung, Umweltgewöhnung, Leinenführigkeit, Rückruf und ruhiges Warten im Mittelpunkt. Danach kommen Schleppen, Apport, Verlorensuche und kontrollierte Nasenarbeit hinzu. Beim Korthals Griffon sollte das Vorstehen behutsam gefördert werden, ohne die natürliche Suche durch ständige Korrekturen zu bremsen.
Ein sinnvoller Aufbau
- Grundgehorsam und sichere Führigkeit im Alltag aufbauen
- Rückruf und Halt unter zunehmender Ablenkung trainieren
- Apportierarbeit mit Dummy und später mit Wild entwickeln
- Nasenarbeit auf Schleppen und einfachen Fährten festigen
- Schussfestigkeit langsam und unter fachkundiger Anleitung prüfen
- Die Anforderungen der jeweiligen Brauchbarkeitsprüfung gezielt trainieren
Bei Laufhunden kommt die Spurarbeit besonders früh ins Spiel. Sie sollen lernen, eine Fährte konzentriert zu verfolgen, dürfen aber nicht jede Wildwitterung unkontrolliert aufnehmen. Ein guter Rückruf allein reicht bei starkem Jagdtrieb oft nicht aus. Stopp-Signal, Führerbindung und kontrollierter Freilauf müssen im Alltag zuverlässig funktionieren.
Auch außerhalb des Reviers braucht ein Griffon Beschäftigung. Zwei kurze Trainingseinheiten von jeweils 10 bis 15 Minuten sind oft sinnvoller als planloses Dauerwerfen. Lange Spaziergänge ersetzen keine jagdliche Arbeit, können aber die körperliche Grundlage schaffen, wenn der Hund dabei nicht ständig hochgefahren wird.
Gesundheit, Fellpflege und Haltung im Blick behalten
Das raue Fell wirkt pflegeleicht, solange es regelmäßig von losem Haar befreit wird. Bei vielen Griffons ist Trimmen von Hand sinnvoll, weil dabei totes Deckhaar entfernt und die typische Fellstruktur erhalten wird. Scheren kann das Haar weicher und weniger wetterfest machen, weshalb die Methode mit einem erfahrenen Züchter oder Hundefriseur abgestimmt werden sollte.
Nach der Jagd kontrolliere ich besonders die Zwischenzehenräume, Ballen, Ohren und Achseln. Kletten und Grassamen werden im rauen Fell schnell übersehen. Bei Hunden mit langen oder tief angesetzten Ohren steigt außerdem der Pflegeaufwand, weil Feuchtigkeit und Fremdkörper Probleme begünstigen können.
Vor dem Kauf gehören Gesundheitsnachweise der Elterntiere, die Aufzuchtbedingungen und die jagdlichen Anlagen des Züchters auf den Tisch. Ein hübscher Hund aus Ausstellungslinien ist nicht automatisch ein brauchbarer Jagdhund. Arbeitsprüfungen und nachvollziehbare Zuchtziele sagen für den praktischen Einsatz meist mehr aus als ein besonders eindrucksvolles Exterieur.
Die laufenden Kosten liegen bei einem mittelgroßen Jagdhund grob bei 100 bis 250 Euro pro Monat, bevor besondere Tierarztkosten, Ausbildung, Prüfungsgebühren und Ausrüstung dazukommen. Bei einem aktiven Arbeitshund können hochwertige Ernährung, Schutzwesten, Ortung und professionelle Ausbildung das Budget deutlich erhöhen. Diese Rechnung sollte vor der Anschaffung ebenso selbstverständlich sein wie die Frage nach der späteren Jagdgelegenheit.
Mein klares Fazit für die Praxis im Revier
Der Korthals Griffon ist für viele Jäger die interessanteste Wahl, wenn ein vielseitiger, rauhaariger Vorstehhund gesucht wird. Er kann Feld, Wasser, Apport und Nachsuche verbinden, verlangt aber eine konsequente Ausbildung und regelmäßige Arbeit. Die Griffons Vendéens sind dagegen Spezialisten für spurbezogene Lauf- und Stöberarbeit und passen vor allem zu Führern, die mit eigenständigem Jagen umgehen können.
Ich würde vor der Entscheidung mindestens einen erfahrenen Führer mit entsprechendem Hund im Revier begleiten. Dabei sieht man schnell, ob Arbeitsstil, Laut, Distanz und Tempo zur eigenen Jagd passen. Der beste Griffon ist nicht der auffälligste, sondern derjenige, dessen Anlagen und Ausbildung genau zu Aufgabe, Gelände und Führer passen.