• Jagdhunde
  • VJP-Punkte richtig bewerten - Bestehen, Fächer und Gewichtung

VJP-Punkte richtig bewerten - Bestehen, Fächer und Gewichtung

Metin Steffens

Metin Steffens

|

8. Juli 2026

Berechnung von vjp punkte: Formel und Rechenschritte auf kariertem Papier, eine Hand schreibt das Ergebnis 4.95.

Ob ein junger Jagdhund die VJP mit 58, 70 oder 80 Punkten besteht, hängt nicht allein von der Gesamtsumme ab. Entscheidend ist, wie sich Arbeitspunkte und Fachwertziffern zusammensetzen, welche Leistungen doppelt zählen und warum die Richter den Gesamteindruck des Hundes bewerten. Ich zeige, wie die VJP-Punkte berechnet werden, welche Bestehensgrenzen gelten und wie sich das Ergebnis für die Ausbildung sinnvoll einordnen lässt.

Die wichtigsten Zahlen zur VJP auf einen Blick

  • 84 Wertungspunkte sind bei voller Punktzahl maximal möglich.
  • Spurarbeit und Nasengebrauch zählen jeweils mit der Fachwertziffer 2.
  • Zum Bestehen braucht der Hund in jedem bewerteten Fach mindestens 3 Arbeitspunkte.
  • Die Skala reicht von 0 bis 12 Punkten, wobei 12 Punkte nur selten vergeben werden.
  • Gehorsam und Schussfestigkeit bringen keine Wertungspunkte, können aber über das Bestehen entscheiden.

So setzt sich das Ergebnis aus den einzelnen Fächern zusammen

Die Verbandsjugendprüfung ist eine Anlageprüfung für junge Jagdhunde. Sie soll zeigen, welche natürlichen Fähigkeiten bereits erkennbar sind, nicht wie perfekt ein Hund nach monatelangem Drill funktioniert. Bewertet werden fünf Fächer mit Arbeitspunkten, die anschließend unterschiedlich stark in die Gesamtwertung eingehen.

Prüfungsfach Worum es geht Fachwertziffer Maximal
Spurarbeit Spurwille und Spursicherheit auf Hase oder Fuchs 2 24 Punkte
Nasengebrauch Wahrnehmen und Verarbeiten von Wildwitterung 2 24 Punkte
Suche Wille zum Finden, Weite, Tempo und Ausdauer 1 12 Punkte
Vorstehen Anlage, gefundenes Wild anzuzeigen 1 12 Punkte
Führigkeit Verbindung und Kontakt zum Führer 1 12 Punkte

Die Rechnung ist einfach. Arbeitspunkte mal Fachwertziffer ergeben die Wertungspunkte. Erhält ein Hund beispielsweise 9 Punkte für die Spurarbeit, werden daraus 18 Wertungspunkte. Bei 8 Punkten im Nasengebrauch kommen weitere 16 hinzu.

Ein Beispiel mit den Bewertungen 9 für Spurarbeit, 8 für Nasengebrauch, 7 für Suche, 8 für Vorstehen und 9 für Führigkeit ergibt 58 Gesamtpunkte. Die Formel lautet 9 × 2 + 8 × 2 + 7 + 8 + 9. Genau deshalb sind gute Leistungen auf Spur und bei der Nase besonders wertvoll.

Welche Bedeutung die einzelnen Punktbereiche haben

Die Arbeitspunkte werden nicht wie Schulnoten vergeben. Sie gehören zu einem Prädikatsbereich, der die Qualität der gezeigten Anlage beschreibt. Die geltende Prüfungsordnung des JGHV ordnet die Punktzahlen folgendermaßen ein.

Prädikat Arbeitspunkte Einordnung
Hervorragend 12 Außergewöhnliche Leistung unter erschwerten Bedingungen
Sehr gut 9 bis 11 Überdurchschnittlich bis besonders überzeugend
Gut 6 bis 8 Solide und brauchbare Anlage
Genügend 3 bis 5 Die Mindestanforderung ist erfüllt
Nicht genügend 0 bis 2 Die Mindestanforderung ist nicht erfüllt

Ein glattes „sehr gut“ entspricht 10 Punkten. 9 Punkte bedeuten also ein sehr gutes Ergebnis mit kleinen Abstrichen, während 11 Punkte eine deutlich überdurchschnittliche Arbeit voraussetzen. 12 Punkte sind der Spitzenwert und dürfen bei der VJP nur in der Spurarbeit oder beim Nasengebrauch vergeben werden.

Für 11 oder 12 Punkte muss ein Hund seine Anlage normalerweise mehrfach überzeugend zeigen. Eine einzige spektakuläre Arbeit reicht nicht automatisch. Bei der Spur zählt außerdem nicht nur die Entfernung, sondern ebenso, ob der Hund schwierige Bodenverhältnisse, Haken oder Bewuchswechsel ruhig und sicher bewältigt.

Warum die Richter nicht einfach den Durchschnitt ausrechnen

Junge Hunde zeigen ihre Anlagen nicht bei jedem Arbeitsgang gleich. Temperatur, Bodenfeuchtigkeit, Wind, Bewuchs, Tageszeit und Wildvorkommen können die Leistung deutlich beeinflussen. Deshalb ist für das Endurteil der Gesamteindruck unter Berücksichtigung von Alter und Ausbildungsstand maßgeblich.

Das lässt sich an der Spurarbeit gut erkennen. Arbeitet ein Hund eine Spur zunächst mit 10 Punkten, eine zweite nur mit 3 oder 4 Punkten und nimmt eine dritte Spur gar nicht an, entsteht nicht automatisch ein mathematischer Mittelwert. Die Richter können den gesamten Eindruck am Ende mit 5 Punkten und damit „genügend“ bewerten.

Auch bei der Suche zählt nicht zwingend die beste Einzelleistung. Zeigt der Hund zunächst eine überwiegende Trabsuche mit 7 Punkten, arbeitet danach einmal mit 11 Punkten und später mit 9 oder 10 Punkten, kann das Gesamturteil beispielsweise bei 8 Punkten liegen. In der Praxis ist das fairer als eine starre Rechenformel, weil es die Schwankungen eines jungen Hundes berücksichtigt.

Ich halte gerade diesen Punkt für wichtig, weil viele Führer die Länge einer Spur oder eine einzelne hohe Punktzahl überschätzen. Ein Hund, der eine leichte Spur weit verfolgt, aber bei der ersten Schwierigkeit abbricht, zeigt nicht automatisch mehr als ein Hund, der eine kürzere, anspruchsvolle Spur konzentriert arbeitet.

Was zum Bestehen tatsächlich erforderlich ist

Die wichtigste Bestehensregel lautet mindestens 3 Arbeitspunkte in jedem der fünf bewerteten Fächer. Daraus ergibt sich rechnerisch eine niedrigste mögliche Gesamtleistung von 21 Wertungspunkten. Diese Zahl ist aber keine allgemeine Zielmarke, sondern lediglich die mathematische Untergrenze.

Ein Hund mit 70 Punkten kann deshalb trotzdem durchfallen, wenn er in einem Fach nur 2 Punkte erreicht. Umgekehrt ist eine niedrige Gesamtzahl nicht automatisch ein Durchfallen, solange jedes bewertete Fach mindestens genügend ist und keine weitere Ausschlussursache vorliegt.

Die Schussfestigkeit wird ohne Arbeitspunkte festgestellt. Unterschieden werden unter anderem schussfest, leicht schussempfindlich, schussempfindlich, stark schussempfindlich und schussscheu. Stark schussempfindliche oder schussscheue Hunde können die Prüfung nicht bestehen.

Für die Prüfung werden grundsätzlich mindestens zwei Schrotschüsse mit mindestens 20 Sekunden Abstand abgegeben. Ist die Reaktion nicht eindeutig, darf die Prüfung frühestens nach 30 Minuten wiederholt werden. Ein Hund, der sich wegen der Waffe nicht ausreichend vom Führer löst, gilt als nicht durchgeprüft.

Auch der Gehorsam wird nur mit einem Prädikat und ohne Punkte bewertet. Entzieht sich der Hund dauerhaft der Einwirkung, verhindert dadurch seine eigene Durchprüfung oder stört den Ablauf, kann ein „nicht genügend“ zum Nichtbestehen führen. Die Art des Jagens, etwa spurlaut, sichtlaut, fraglich oder stumm, wird ebenfalls dokumentiert, aber nicht in die Punktzahl eingerechnet.

Wie ich die Punktzahl für die Ausbildung richtig lese

Für die Vorbereitung würde ich die Punktzahl nicht als Selbstzweck behandeln. Die doppelte Gewichtung von Spurarbeit und Nasengebrauch zeigt zwar, wo sich Training besonders stark auswirken kann, doch ein schwaches Fach darf nicht einfach geopfert werden. Zum Bestehen müssen alle fünf bewerteten Bereiche mindestens ausreichend sein.

Spurarbeit verlangt mehr als viele Meter

Bei der Spurarbeit achten die Richter auf Spurwillen, Spursicherheit und den Umgang mit Schwierigkeiten. Eine lange, aber leicht zu arbeitende Spur ist nicht automatisch wertvoller als eine kürzere Spur mit wechselndem Untergrund. Ich trainiere deshalb lieber ruhiges, konzentriertes Arbeiten als hektisches Hinterherlaufen.

Bei der Suche zählt der Wille zum Finden

Eine planmäßige Suche wird bei der VJP noch nicht erwartet. Der Hund soll aber fleißig, flott, ausdauernd und geländeangepasst suchen. Überwiegende Trabsuche darf höchstens mit 7 Punkten bewertet werden. Das ist ein guter Hinweis für die Ausbildung, denn Tempo allein ersetzt keinen erkennbaren Finderwillen.

Lesen Sie auch: Hund schussfest machen - so gelingt die ruhige Gewöhnung

Vorstehen und Führigkeit nicht zu früh erzwingen

Beim Vorstehen wird eine erkennbare Anlage verlangt, aber kein langes Durchstehen wie bei einer fertig ausgebildeten Hündin oder einem fertig ausgebildeten Rüden. Nachprellen wird auf der VJP nicht als Fehler angerechnet. Blinken, also das bewusste Umgehen oder Ignorieren von wahrgenommenem Wild, kann dagegen zum Nichtbestehen führen.

Führigkeit bedeutet nicht, dass der Hund ständig neben dem Führer läuft. Entscheidend ist, ob er auch auf größere Entfernung die Verbindung hält, nach Wildkontakt wieder Anschluss sucht und auf Signale reagiert. Eine zu enge Führung kann die Suche bremsen, während ein völlig selbstständiges Weiterjagen die Führigkeit schwächt.

Die Zahl auf dem Zeugnis richtig einordnen

Die VJP-Punktzahl ist eine Momentaufnahme der natürlichen Anlagen eines jungen Jagdhundes. 84 Punkte sind maximal möglich, aber es gibt keine einzelne Gesamtgrenze, ab der ein Hund offiziell als „sehr gut“ gilt. Aussagekräftig wird das Ergebnis erst zusammen mit den Einzelbewertungen, dem Laut, der Schussfestigkeit und den Bemerkungen der Richter.

Wer ein Ergebnis von 70 Punkten beurteilen möchte, sollte zunächst die Rechnung prüfen. 70 von 84 Punkten entsprechen zwar rund 83 Prozent der theoretischen Höchstzahl, doch die Verteilung ist entscheidend. Für Zucht und spätere jagdliche Verwendung ist ein ausgeglichener Hund mit sicheren Anlagen oft interessanter als ein Spezialist mit einer herausragenden Einzelleistung und einem problematischen Schwachpunkt.

Für Prüfungen in Bayern und anderen Bundesländern sollten Führer zusätzlich die jeweilige Ausschreibung und mögliche landesrechtliche Vorgaben beachten. Mein praktischer Rat bleibt deshalb schlicht: Einzelnoten lesen, Bedingungen notieren und die Gesamtzahl erst danach bewerten. So wird aus einer bloßen Punktzahl ein brauchbares Bild davon, was der junge Hund bereits mitbringt und woran weitergearbeitet werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Die Arbeitspunkte werden mit der jeweiligen Fachwertziffer multipliziert. Spurarbeit und Nasengebrauch zählen doppelt, während Suche, Vorstehen und Führigkeit einfach gewertet werden. Maximal sind 84 Wertungspunkte möglich.

Ja. Zum Bestehen braucht der Hund in jedem der fünf bewerteten Fächer mindestens 3 Arbeitspunkte. Erreicht er in einem Fach nur 2 Punkte, kann er trotz einer hohen Gesamtzahl durchfallen.

Die Richter bewerten den Gesamteindruck unter Berücksichtigung von Alter und Ausbildungsstand. Schwankende Leistungen, schwierige Bedingungen und die Qualität der gesamten Arbeit können deshalb zu einem Endurteil führen, das nicht dem mathematischen Mittelwert entspricht.

Schussfestigkeit und Gehorsam bringen keine Wertungspunkte, können aber über das Bestehen entscheiden. Stark schussempfindliche oder schussscheue Hunde bestehen die Prüfung nicht; auch ein ungenügender Gehorsam kann zum Nichtbestehen führen.
Artikel bewerten

Durchschnitt: 0.0 / 5 · 0 Bewertungen

Tags

schussfestigkeit vjp spurarbeit nasengebrauch führigkeit

Beitrag teilen

Autor Metin Steffens
Metin Steffens
Mein Name ist Metin Steffens und seit nunmehr 9 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Jagdausrüstung, Revierpraxis und Hunde. Diese lange Zeit hat mir nicht nur ein tiefes Verständnis für die Materie vermittelt, sondern auch die Freude daran geweckt, dieses Wissen weiterzugeben. Mich fasziniert besonders, wie die richtige Ausrüstung und ein fundiertes Wissen über die Revierpraxis das Jagderlebnis bereichern und gleichzeitig die Weidgerechtigkeit fördern. Ich lege großen Wert darauf, Informationen so aufzubereiten, dass sie für jeden Jäger und Jagdinteressierten verständlich und praxisnah sind. Dabei vergleiche ich gerne verschiedene Ansätze und stelle sicher, dass die von mir geteilten Erkenntnisse stets aktuell und fundiert sind, damit Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können: die Jagd selbst.
Kommentare (0)
Kommentar hinzufügen