Am Waldrand kann innerhalb weniger Minuten ein Schuss auf Niederwild oder auf ein Stück Schalenwild gefragt sein. Wer verstehen möchte, was ein Drilling ist, sollte deshalb nicht nur auf die drei Läufe schauen, sondern auch auf Einsatzbereich, Bedienung, Munition und die Grenzen dieser klassischen Jagdwaffe. Ich zeige, wie die Kombination funktioniert, welche Bauformen es gibt und worauf ich bei Auswahl, Prüfung und sicherem Umgang besonders achte.
Die drei Läufe machen den Drilling zur vielseitigen Jagdwaffe
- Drei Läufe verbinden meist zwei Schrotläufe mit einem gezogenen Kugellauf.
- Die Kipplaufwaffe eignet sich besonders für Reviere mit wechselnden jagdlichen Situationen.
- Schrot und Kugel benötigen unterschiedliche Munition, Visierung und Einschießkontrollen.
- Zu den Varianten gehören unter anderem Bockdrilling, Doppelbüchsdrilling und Waldläuferdrilling.
- Beim Gebrauchtkauf sind Beschuss, Laufzustand, Verschluss und Treffpunktlage wichtiger als eine schöne Gravur.

Was ist ein Drilling bei der Jagd?
Ein Drilling ist eine dreiläufige Kipplaufwaffe, die verschiedene Laufarten in einem Gewehr zusammenfasst. Beim klassischen Modell liegen zwei glatte Schrotläufe nebeneinander, während sich darunter ein gezogener Kugellauf befindet.
Die glatten Läufe verschießen Schrotpatronen mit vielen kleinen Geschossen. Der gezogene Lauf ist für eine Büchsenpatrone mit einem einzelnen Geschoss ausgelegt. Genau diese Verbindung macht den Drilling zu einer kombinierten Jagdwaffe, die unterschiedliche Wildarten und Jagdsituationen abdecken kann.
„Drilling“ bedeutet dabei nicht, dass drei Schüsse gleichzeitig abgegeben werden. Jeder Lauf hat sein eigenes Schloss beziehungsweise eine eigene Auslösung. Je nach Bauart wird der gewünschte Lauf über einen Umschalter, eine Sicherung oder einen separaten Abzug ausgewählt. Die konkrete Bedienung hängt immer vom Modell ab und gehört vor dem ersten Einsatz gründlich erklärt.
Wie die drei Läufe zusammenarbeiten
Zum Laden und Entladen wird das Laufbündel wie bei anderen Kipplaufwaffen abgeknickt. Die Patronenlager liegen dabei offen zugänglich, was das sichere Kontrollieren erleichtert. Ich halte diese einfache Sichtkontrolle für einen der großen Vorteile des Systems, trotzdem darf man sich nie allein auf die Mechanik verlassen.
Typische Schrotkaliber sind beispielsweise 12/70 oder 16/70. Die erste Zahl bezeichnet das Schrotkaliber, die zweite die zulässige Hülsen- beziehungsweise Patronenlagerlänge in Millimetern. Beim Kugellauf finden sich je nach Waffe unterschiedliche Randpatronen wie 7x57R oder 8x57IRS. Entscheidend ist nicht, welche Patrone äußerlich passt, sondern ausschließlich die Kennzeichnung auf der Waffe und die freigegebene Munition.
Schrot und Kugel verhalten sich völlig verschieden. Die Schrotgarbe verteilt sich auf der Flugbahn, während das Kugelgeschoss eine präzise Treffpunktlage verlangt. Deshalb müssen alle verwendeten Läufe separat eingeschossen und mit der tatsächlich vorgesehenen Munition geprüft werden.
Bedienung und Sicherung
Viele klassische Drillinge besitzen zwei Abzüge oder eine Kombination aus Schrotabzug und Kugelabzug. Moderne Modelle können mit Einabzug, Handspannung oder einer Umschaltung für den Kugellauf ausgestattet sein. Was praktisch wirkt, muss aber intuitiv bedienbar bleiben, besonders bei Kälte, Handschuhen und wechselnden Anschlägen.
Vor dem Schuss muss eindeutig feststehen, welcher Lauf ausgewählt ist und welche Patrone sich in welchem Patronenlager befindet. Beim Übergeben, Überqueren eines Hindernisses oder Verlassen des Ansitzes wird die Waffe entladen und geöffnet. Ein Drilling verlangt mehr Aufmerksamkeit als eine einfache Einzellaufwaffe, weil drei Patronenlager und mehrere Abzugssysteme beteiligt sein können.
Welche Bauformen beim Drilling üblich sind
Der klassische Drilling ist die bekannteste Ausführung, aber nicht die einzige. Die Laufanordnung beeinflusst Gewicht, Balance, Visierlinie und den hauptsächlichen Einsatzzweck.
| Bauform | Typische Laufkombination | Besonderheit |
|---|---|---|
| Klassischer Drilling | Zwei Schrotläufe und ein Kugellauf | Breit einsetzbar bei gemischten Jagdsituationen |
| Bockdrilling | Übereinander angeordnete Schrot- und Kugelläufe | Kompakte Bauweise, je nach Modell mit zwei Kugelläufen |
| Doppelbüchsdrilling | Zwei Kugelläufe und ein Schrotlauf | Stärker auf Kugelschuss und Schalenwild ausgerichtet |
| Waldläuferdrilling | Zwei Schrotläufe und ein kleiner Kugellauf | Praktisch für Schrotjagd und kleinere Wildarten |
Die Bezeichnungen sind nicht bei jedem Hersteller völlig einheitlich. Ich würde mich deshalb nie auf den Modellnamen verlassen, sondern die tatsächliche Laufanordnung, Kaliber, Abzüge und Sicherung direkt prüfen. Besonders bei älteren Waffen können Umbauten oder nachträglich eingebaute Einsteckläufe die ursprüngliche Konfiguration verändern.
Wo der Drilling seine Stärken ausspielt
Seine Stärke zeigt der Drilling vor allem dort, wo im selben Revier unterschiedliche Wildarten vorkommen. Auf dem Ansitz kann der Kugellauf für Schalenwild vorgesehen sein, während die Schrotläufe für eine passende Gelegenheit auf Niederwild bereitstehen. Das spart Gewicht und verhindert, dass für jede Situation eine andere Langwaffe mitgeführt werden muss.
Auch bei der Pirsch und in abwechslungsreichen bayerischen Revieren kann die Kombination sinnvoll sein. Die Waffe ist vergleichsweise kompakt, führt sich bei guter Schäftung angenehm und erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen Schrot- und Kugelschuss. Der Vorteil liegt in der Vielseitigkeit, nicht in maximaler Schussfolge.
Für häufige Bewegungsjagden oder Situationen mit mehreren unmittelbar aufeinanderfolgenden Kugelschüssen ist ein Repetierer oder eine Doppelbüchse meist praktischer. Ein Drilling ist in der Regel ein Einzelladersystem. Nach dem Schuss müssen die Patronenlager geöffnet und die verbrauchten Hülsen entnommen werden.
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Die wichtigsten Nachteile
- Das Laufbündel kann schwerer sein als eine vergleichbare Einzelbüchse.
- Die Treffpunktlage mehrerer Läufe verlangt sorgfältiges Einschießen.
- Eine auf Kugelschuss optimierte Optik ist nicht automatisch ideal für den schnellen Schrotschuss.
- Die Mechanik ist anspruchsvoller und sollte bei Problemen vom Büchsenmacher geprüft werden.
- Passende Munition für alle Läufe kann die laufende Jagdausrüstung verteuern.
In der Praxis wird der Allround-Charakter gelegentlich überschätzt. Wer fast ausschließlich auf Schalenwild jagt, nutzt zwei Schrotläufe nur selten und trägt trotzdem ihre zusätzliche Mechanik mit. Für ein gemischtes Revier kann genau diese Reserve dagegen den entscheidenden Unterschied machen.
Worauf ich bei Auswahl und Gebrauchtkauf achte
Am Anfang steht die Frage nach dem eigenen Revier. Wer überwiegend ansitzt, braucht andere Eigenschaften als jemand, der mit dem Hund im dichten Niederwildrevier arbeitet. Die Wildarten und Jagdmethoden bestimmen die sinnvolle Laufkombination, nicht umgekehrt.
Bei einer gebrauchten Waffe prüfe ich zuerst den technischen Zustand. Dazu gehören ein strammer Verschluss, unbeschädigte Läufe, eine klare Laufinnenseite, ein intakter Schaft und ein gültiger Beschuss. Rostnarben, Risse am Baskülenhals oder ein lockeres Laufbündel sind keine Schönheitsfehler, sondern mögliche Sicherheits- und Kostenrisiken.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Treffpunktlage. Kugel- und Schrotläufe können sich bei älteren Waffen anders verhalten als erwartet, vor allem wenn Munition, Optik oder Einstecklauf verändert wurden. Ein Büchsenmacher sollte die Waffe deshalb nicht nur äußerlich beurteilen, sondern auch technisch vermessen und auf dem Schießstand prüfen.
Bei alten Drillingen ist außerdem die Patronenlagerlänge wichtig. Eine 16/65-Waffe darf nicht einfach mit jeder modernen 16/70-Patrone verwendet werden. Auch die Eignung für bleifreie Schrote ist bei älteren Läufen und Chokes nicht automatisch gegeben. Kaliberangabe, Beschusszeichen und Munitionsfreigabe müssen zusammenpassen.
Preislich reicht das Angebot von einfachen gebrauchten Jagdwaffen im niedrigen vierstelligen oder darunterliegenden Bereich bis zu hochwertigen handgefertigten Drillingen mit Optik, die deutlich teurer sein können. Eine pauschale Bewertung ist wenig seriös. Bei diesem Waffentyp zählen Zustand, Schäftung, Montage, Schussleistung und Reparaturbedarf meist mehr als Alter oder Gravur.
Was in Deutschland rechtlich und sicherheitstechnisch gilt
Ein Drilling ist eine erlaubnispflichtige Schusswaffe. Erwerb, Besitz, Transport und Aufbewahrung richten sich in Deutschland nach dem Waffengesetz und den dazugehörigen Vorschriften. Ein Jagdschein kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen zum Erwerb bestimmter Jagdwaffen berechtigen, ersetzt aber keine Prüfung des konkreten Einzelfalls durch Händler oder Waffenbehörde.
Zu Hause wird die Waffe ungeladen und gegen unbefugten Zugriff gesichert in einem zugelassenen Behältnis aufbewahrt. Munition und Waffe müssen entsprechend den aktuellen Vorgaben verwahrt werden. Beim Transport zur Jagd bleibt der Drilling ungeladen, nicht zugriffsbereit und wird nur zu einem erlaubten Zweck mitgeführt.
Für die tägliche Praxis bedeutet das eine einfache Grundregel. Vor jedem Einsatz werden Laufzustand, Sicherung, Patronenlager, Munition und Zielfernrohr kontrolliert. Bei Unsicherheit über Bedienung, Beschuss oder technische Veränderungen endet die Eigenprüfung beim Fachmann.
Der Drilling passt dann, wenn das Revier mehrere Antworten verlangt
Ein Drilling ist keine moderne Universallösung für jeden Jäger, aber eine durchdachte Kombination aus Flinte und Büchse. Seine drei Läufe bieten Flexibilität für wechselnde Wildarten, verlangen dafür aber mehr Übung, sorgfältiges Einschießen und ein klares Verständnis der eigenen Waffe.
Ich halte ihn besonders dann für sinnvoll, wenn Schrot- und Kugelschuss im selben Revier tatsächlich vorkommen. Wer diese Möglichkeiten kaum nutzt, fährt mit einer leichteren und einfacher zu bedienenden Einzelwaffe oft besser. Die richtige Entscheidung entsteht daher nicht aus Nostalgie oder dem Versprechen „eine Waffe für alles“, sondern aus dem ehrlichen Abgleich von Revier, Wild, Schussentfernung und eigener Routine.