Mitte Oktober kann ein ruhiges Waldstück plötzlich von einem dumpfen, gleichmäßigen Ruf erfüllt sein. Dann ist die Brunft des Damwilds in vollem Gang, und im Revier ändern sich Verhalten, Aufenthaltsorte und Tagesrhythmus der Hirsche deutlich. Ich zeige, wann die Brunft stattfindet, woran man ihren Höhepunkt erkennt und worauf Beobachter und Jäger in dieser empfindlichen Zeit achten sollten.
Die wichtigsten Fakten zur Damwildbrunft auf einen Blick
- Zeitraum: Die Brunft reicht meist von Ende September bis Anfang November.
- Höhepunkt: Die Hochbrunft liegt überwiegend in der zweiten Oktoberhälfte.
- Typisches Zeichen: Der Damhirsch schlägt eine Brunftkuhle, markiert sie und verteidigt sein Gebiet.
- Verhalten: Die Hirsche rufen häufig, nehmen weniger Nahrung auf und verlieren deutlich an Gewicht.
- Revierpraxis: Wind, Abstand und ein ungestörter Beobachtungsplatz sind wichtiger als möglichst viel Bewegung.

Wann ist die Brunftzeit beim Damwild?
Die Brunft beginnt in Deutschland gewöhnlich Ende September und zieht sich bis etwa Anfang November. Der deutlichste Abschnitt ist meist die zweite Oktoberhälfte. Je nach Witterung, Höhenlage, Wildbestand und Ruhe im Einstand kann sich der Beginn jedoch verschieben.
Ein kalter Wetterumschwung bringt die Brunft nicht automatisch auf den Punkt. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen. Entscheidend sind unter anderem die Tageslänge, die körperliche Verfassung der Hirsche und die örtliche Populationsstruktur. Deshalb sollte man Kalenderdaten nur als grobe Orientierung verstehen.
| Brunftphase | Typischer Zeitraum | Woran sie erkennbar ist |
|---|---|---|
| Beginn | Ende September bis Anfang Oktober | Schaufler ziehen auf Brunftplätze und beginnen mit dem Plätzen |
| Hochbrunft | Vor allem zweite Oktoberhälfte | Regelmäßiges Rufen, Brunftkuhlen, Revierkämpfe und viel Bewegung des Kahlwilds |
| Nachbrunft | Bis Anfang November, örtlich länger | Weniger intensive Rufe, einzelne Hirsche bleiben noch aktiv |
Auch eine Nachbrunft ist möglich. Wer nur an einem einzigen Oktobertag unterwegs ist und keinen rufenden Hirsch hört, hat daher nicht zwingend den richtigen Zeitraum verpasst. Gerade in größeren Revieren kann sich das Geschehen von Platz zu Platz deutlich unterscheiden.
Was im Revier während der Brunft passiert
Der Damhirsch verfolgt während der Brunft nicht überall dieselbe Strategie. In vielen Beständen besetzt er einen festen Brunftplatz als Territorium. Dort markiert und verteidigt er einen Bereich, in dem sich die Damtiere zur Paarung einfinden können.
Andere Hirsche versuchen, mehrere Damtiere als eine Art Harem zusammenzuhalten. Welche Strategie überwiegt, hängt unter anderem von der Wilddichte und den örtlichen Bedingungen ab. Diese Unterschiede erklären, warum man in einem Revier viele Brunftkuhlen findet, während in einem anderen vor allem ziehende Hirsche und Kahlwildrudel auffallen.
Die Brunftkuhle als akustisches und geruchliches Signal
Für die Brunftkuhle scharrt der Hirsch mit den Vorderläufen den Boden auf. In die Vertiefung uriniert er und suhlt sich teilweise darin. Das wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, erfüllt aber eine wichtige Funktion, denn der Platz wird optisch, akustisch und über den Geruch markiert.
Das typische Rufen des Damhirschs klingt gleichmäßig und weniger röhrend als beim Rotwild. Es ist oft über größere Entfernung zu hören und verrät zunächst nur, dass ein Hirsch aktiv ist. Über Alter, Stärke oder Fortpflanzungserfolg sagt die Lautstärke allein wenig aus.
Warum es zu Kämpfen kommt
Treffen zwei rivalisierende Hirsche aufeinander, versuchen sie zunächst, den Gegner durch Körperhaltung, Lautäußerungen und Imponierverhalten einzuschüchtern. Reicht das nicht aus, können sie mit dem Geweih gegeneinanderdrücken. Die Schaufeln sind dabei kein reiner Schmuck, sondern dienen als Waffe und Signal für die körperliche Verfassung.
Solche Auseinandersetzungen sind Teil der natürlichen Rangordnung, bergen aber Verletzungsgefahren. Ein Hirsch, der an einem Brunftplatz erfolgreich ist, frisst in dieser Zeit oft deutlich weniger. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands können starke Hirsche während der Brunft erheblich an Gewicht verlieren.
Woran man die Brunft sicher erkennt
Das deutlichste Signal ist die Kombination aus mehreren Beobachtungen. Ein einzelner Ruf kann auch durch Aufregung oder eine Störung ausgelöst werden. Erst wenn Ruf, Brunftkuhle, gesteigerte Aktivität und veränderte Rudelstruktur zusammenkommen, spricht vieles für eine ausgeprägte Brunftphase.
- Rufen: Der Hirsch meldet sich regelmäßig, oft aus derselben Richtung.
- Plätzen: Aufgewühlter Boden und frische Trittsiegel zeigen die Aktivität an.
- Suhlen: Die Brunftkuhle enthält häufig feuchte, stark riechende Stellen.
- Revierverteidigung: Hirsche stehen auffällig aufmerksam und reagieren auf Artgenossen.
- Rudelverhalten: Damhirsche und Damtiere stehen während der Brunft weniger strikt getrennt.
- Gewichtsverlust: Der Hirsch wirkt mit fortschreitender Brunft oft abgekämpft und eingefallen.
Bei der Pirsch ist der Geruchssinn des Wildes besonders ernst zu nehmen. Ein Damhirsch kann einen Menschen lange vor dem ersten Sichtkontakt wahrnehmen. Ich verlasse mich deshalb nicht allein auf das Gehör, sondern prüfe Windrichtung, Wechsel und mögliche Einstände, bevor ich mich weiterbewege.
Was die Brunft für Beobachtung und Jagd bedeutet
Die Brunft macht Damwild leichter hörbar, aber nicht automatisch leichter anzusprechen. Ein rufender Hirsch kann weit entfernt stehen, sich im Bestand bewegen oder nur kurz auf einer Freifläche erscheinen. Wer zu schnell dem Geräusch folgt, bringt häufig genau die Unruhe ins Revier, die eine gute Beobachtung verhindert.
Für die reine Beobachtung ist ein windgünstiger, früh bezogener Platz meist die beste Lösung. Fernglas, warme geräuscharme Kleidung und Geduld bringen mehr als ständiges Wechseln des Standorts. Besonders am frühen Morgen und in den Abendstunden sind die Rufe gut wahrnehmbar, doch auch bedeckte Tage können interessante Aktivität bringen.
Rücksicht auf das Wild
Brunftplätze sollten nicht betreten werden, nur weil dort frische Spuren oder eine besonders große Kuhle zu sehen sind. Der Platz ist für den Hirsch energetisch und sozial wichtig. Häufige Störungen können dazu führen, dass er den Bereich wechselt oder das Kahlwild aus dem Gebiet abzieht.
Auch der Einsatz eines Hundes will gut überlegt sein. Für die Beobachtung bleibt der Hund besser zu Hause. Nach einem Schuss gelten selbstverständlich die Regeln für eine sorgfältige Nachsuche, doch eine aktive Suche im Brunftbereich ohne konkreten Anlass erzeugt unnötige Unruhe.
Jagdrecht bleibt entscheidend
Die Brunft ist kein eigener Freibrief für jagdliches Handeln. Jagd- und Schonzeiten sowie Vorgaben zur Wildbewirtschaftung können sich nach Bundesland und aktueller Verordnung unterscheiden. Vor jeder Jagd müssen deshalb die geltenden Regeln, der Abschussplan und die revierinternen Vorgaben geprüft werden.
Beim Ansprechen zählt außerdem das Gesamtbild. Geweihgröße, Körpermasse, Verhalten, Alterseindruck und Stellung im Bestand sollten zusammen betrachtet werden. Der lauteste oder auffälligste Hirsch ist nicht automatisch der passende Abschusshirsch.
Welche Irrtümer bei der Damwildbrunft häufig vorkommen
Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, jeder Hirsch bleibe während der gesamten Brunft an derselben Kuhle. Viele Brunftplätze sind zwar über Jahre bekannt, doch einzelne Hirsche können ihren Standort wechseln oder einen Platz nach kurzer Zeit wieder räumen.
Ebenso wenig lässt sich der Höhepunkt allein am Wetter festmachen. Ein warmer Oktobertag kann durchaus Brunftaktivität bringen, während an einem kalten Morgen kaum ein Ruf zu hören ist. Ruhe im Revier und die örtliche Wilddichte beeinflussen das Geschehen oft stärker, als Außenstehende vermuten.
Auch die Vorstellung, zur Brunft würden alle Damhirsche ständig kämpfen, führt in die Irre. Viel Zeit verbringen sie mit Rufen, Markieren, Sichern und dem Halten ihres Platzes. Kämpfe sind spektakulär, aber nur ein Teil des gesamten Brunftverhaltens.
Schließlich sollte man die Brunftkuhle nicht mit einem sicheren Abschussplatz verwechseln. Sie zeigt, wo ein Hirsch aktiv war. Ob er dort regelmäßig erscheint, wie er sich entwickelt und welche Tiere im Umfeld stehen, muss erst durch mehrere ruhige Beobachtungen geklärt werden.
Was nach dem letzten Brunftruf im Revier zählt
Mit dem Ende der Brunft kehrt das Damwild schrittweise zu einem ruhigeren Rhythmus zurück. Die Hirsche müssen ihre Energiereserven auffüllen, während die Damtiere die Folgen der Paarungszeit und später die Tragzeit bewältigen. Die Tragzeit beträgt ungefähr 230 Tage, sodass die Kälber meist im Frühsommer gesetzt werden.
Für mich ist die Brunft deshalb mehr als ein eindrucksvolles Naturereignis. Wer den Zeitraum, die Brunftplätze und die Grenzen der Beobachtung versteht, liest die Zeichen im Revier besser und begegnet dem Wild mit der nötigen Ruhe. Genau diese Mischung aus genauer Wildkunde, Windbeobachtung und Zurückhaltung entscheidet darüber, ob aus einem kurzen Ruf eine belastbare Revierbeobachtung wird.